Archiv für 20. Januar 2008

Aufschieben als Energieräuber

Unangenehme Dinge als Erstes erledigen. Das ist als Grundregel zum Einen sinnvoll, weil durch Aufschieben wertvolle Zeit und Energie aufgezehrt werden, zum Anderen auch deshalb, weil das Aufschieben von wichtigen Dingen oft erheblichen Schaden anrichtet: von der eigenen Gesundheit bis hin zur Karriere.

Dazu kommt, dass wir uns mit dem Unangenehmen so oft viel länger und intensiver beschäftigen, als wenn wir es einfach mal erledigen würden. Das schlechte Gewissen grüßt mehrmals täglich – über Wochen oder gar Monate!

Positiv gesehen bringt es uns oft ein bedeutendes Stück nach vorne, wenn wir das lange Aufgeschobene endlich anpacken. Schließlich quälen uns weniger die unangenehmen Dinge, die wir für unwichtig halten.

Doch sind wir innerlich überzeugt, dass wir das, was wir durch Aufschieben vermeiden, längst hätten tun sollen und wir uns durch das Aufschieben Schaden zufügen, nagt es an uns. Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen und Lebensfreude werden dadurch geschädigt. Je wichtiger die unangenehme Aufgabe unserer Einschätzung nach ist, desto schlimmer ist der mentale Schaden.

Diese negativen Gedanken machen uns nicht mutiger und begünstigen weiteres Aufschieben. Zusätzlich wächst die To Do List an, weil diese alten Punkte einfach immer noch drauf stehen.

Die gute Nachricht auch hier: Gelingt es uns nach längerer Zeit, trotzdem erfolgreich eine solch unangenehme Aufgabe zu durchzuführen, fühlen wir uns erleichtert und können mit dieser Motivation vielleicht sogar eine weitere unangenehme Aufgabe anpacken. Dazu haben wir den Negativkreislauf durchbrochen, was ebenfalls ein positives Gefühl vermittelt.

Besser also, wir lassen es gar nicht so weit kommen!

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Tagesplanung?

„Hauptsache einen Tag vorher“, das ist die kurze Antwort. Ist der Tag schon strukturiert, wenn wir ihn morgens beginnen, können wir zielgerichteter und mit weniger innerem Widerstand beginnen.

Wem wie mir die Planung Freude bereitet, mag einwenden, dass er direkt nach der Tagesplanung besonders motiviert ist und deshalb die Planung als Einstimmung und Motivationsbringer morgens am besten aufgehoben ist. Für diejenigen, für die das gut funktioniert, ist das wunderbar. Sie sollten so weitermachen.

Die meisten Menschen profitieren indes davon, zu Beginn des Tages nicht erst darüber nachdenken zu müssen, was sie heute tun könnten. Besonders wenn einige unangenehme Aufgaben anstehen, besteht die Gefahr, statt eines Motivations- eher einen Frustschub zu bekommen oder – meist noch schlimmer – die Sache erstmal zu verschieben, auf irgendwann.

Steht die unangenehme Sache jedoch bereits im Plan, dann fällt es den meisten von uns leichter, sich damit abzufinden, dass sie heute eben ansteht.

Außerdem kann, wer erstmal mit der Planung beginnen muss, nicht gleich eine der Hauptaufgaben des Tages angehen, was jedoch sehr zu empfehlen ist.

Neben dem guten Gefühl, in etwa zu wissen, was heute auf einen zukommt, entgeht dem heute-für-heute-Planer auch die Möglichkeit, sein Unterbewusstsein schon einmal etwas vorbereiten zu lassen. Wer kennt nicht das klassische „Ich hab da schon mal was vorbereitet“ aus Kochsendungen im Fernsehen? Was schon vorbereitet ist, spart Zeit, wenn es drauf ankommt. Unser Unterbewusstsein kann die Zeit nutzen und weiterarbeiten, während wir uns erholen. Am nächsten Tag fangen wir dann nicht bei Null an und sind auch emotional schon vorbereitet.

Ob wir kurz vor Feierabend im Büro, vor dem Einschlafen, nach dem Abendbrot oder auf dem Nachhauseweg den kommenden Tag planen sollten, hängt auch von den persönlichen Umständen ab. Empfehlenswert ist, die Tagesplanung vor dem Beginn der eigentlichen Freizeit und Erholungszeit am Abend hinter sich lassen zu können, um rechtzeitig an dem Punkt sein zu können, alle Pflichten erledigt zu haben.