Archiv für März, 2008

Zeit gewinnen durch Streichen: Ziele, Pläne, Aufgaben

Zeit gewinnen wir nicht nur, indem wir unsere Aufgaben besser erledigen. Zeit gewinnen wir schnell und nachhaltig, indem wir Aufgaben streichen, die nicht (mehr) wichtig sind. Was für uns wichtig ist, zeigt uns unsere Prioritätenliste.

Die letzten soundso vielen Aufgaben auf unserer Liste zu streichen, wäre zu einfach, doch die Richtung stimmt: Schauen wir unsere Aufgabenlisten, Tagespläne, Wochenpläne, Jahrespläne und was wir an weiteren Plänen erstellt haben von „unten nach oben“ durch.

Je weiter unten etwas steht, desto eher ist es ein Streichkandidat. Wer sich mit dem Streichen von Aufgaben schwer tut, mag es womöglich lieber als eine Umverteilung von Zeit sehen. Die weniger wichtigen Aufgaben geben an die wichtigen Aufgaben Zeit ab, eventuell sogar die gesamte zugewiesene Zeit. Im Fokus steht so nicht die Entscheidung gegen eine Aufgabe, sondern die Entscheidung für eine wichtigere Aufgabe. Klingt gleich freundlicher!

Menschen, die sich gerne Ziele setzen, etwas erreichen wollen, Pläne haben, neigen meiner Erfahrung nach dazu, sich zu viel vorzunehmen. Zu viel wird es meist erst in der Summe, die einzelnen Pläne, Ziele und Aufgaben stellen selten das Problem dar, sondern die Anhäufung derselben.

Für alles reichen weder unsere Zeit noch unsere Kraft. Um ein Zuviel zu verhindern, haben wir eine Reihe von Möglichkeiten:

  • An die Konsequenzen denken: Bevor wir Neues beginnen, über den Aufwand nachdenken. Wollen wir so viel investieren, lohnt sich das?
  • Alt gegen Neu tauschen: Der Anfang von etwas Neuem ist ein guter Anlass, etwas Altes aufzugeben.
  • Regelmäßig auf den Prüfstand: Mindestens im Rahmen der Aufstellung einer persönlichen Jahresbilanz und eines neuen Jahresplans sollte alles, was dort steht, überprüft werden. Ist es noch wichtig? Ist es den Aufwand wert? Kann ich die Abläufe verbessern und so Zeit sparen?
  • Belastungsprobe: Nutzen wir Zeiten, in denen wir uns überlastet fühlen, um uns leichter von alten Zielen, Plänen und Aufgaben zu trennen! Machen wir Unlustgefühle doch einmal zu unserem Verbündeten!
  • Auf unsere innere Stimme hören: Besonders bei von Außen an uns herangetragenen Aufgaben spüren wir schnell eine innere Ablehnung, uns verpflichten zu lassen. Meistens ist es möglich, etwas Bedenkzeit zu bekommen. Sofort entscheiden müssen wir uns nur in seltenen Fällen, sondern können unsere Antwort noch am nächsten Tag geben. Davon sollten wir Gebrauch machen, um uns vor Überrumpelungen zu schützen – und vor uns selbst, damit wir nicht vor lauter Begeisterung mehr versprechen, als gut für uns wäre.

Zeit, Geld und Energie in ein Vorhaben zu investieren, das man vor Zielerreichung wieder aufgibt, möchten wir vermeiden. Deshalb ist ein Aussortieren vor dem Start das Beste, doch ist dies im Leben nicht immer möglich. Neben einer Vorabprüfung, die umso kritischer ausfallen sollte, desto mehr wir investieren müssen, ist die Einsicht von Vorteil, dass falsche Entscheidungen zum Leben dazugehören und es schlimmer ist, Fehler nicht zu korrigieren. Hinterher ist man immer schlauer. Dumm ist es, hinterher nicht entsprechend zu handeln.

Verplante Freizeit – unverplante Freizeit – geplante Freizeit

Freizeit gehört in den Terminkalender, sonst findet sie bei vielbeschäftigten Menschen gar nicht statt. Das ist schon richtig, doch sollte man hier nicht den Fehler begehen, die Freizeit zu sehr zu verplanen.

Terminstress gibt es längst nicht mehr nur im Beruf, auch Termine in unserer Freizeit können uns stressen; immerhin sind sie mit Verpflichtungen verbunden, mit Disziplin. Ein Musikinstrument zu lernen, im Verein Sport zu treiben, einen Sprachkurs als Urlaubsvorbereitung zu belegen, sind Beispiele für sinnvolle Freizeitgestaltung. Summieren sich diese Termine – besonders in Kombination mit einem fordernden Job – können wir uns bei unseren freiwilligen Aufgaben nicht ausreichend erholen.

Wer von uns kennt das nicht? Wer sehnt sich nicht zuweilen in seine Kindheit zurück, als Zeitdruck unbekannt war? Gab es das damals schon für alle oder war das nur ganz wenigen Berufsgruppen vorbehalten?

Hallo! Unsere Freizeit verplanen wir doch selbst. Von wem lassen wir uns diktieren, dass wir unsere Freizeit „sinnvoll“ nutzen müssen? Kurzurlaub? Dafür haben wir doch unseren Balkon!

Das Beste aus unserer Freizeit herauszuholen, bedeutet nicht zwingend, viel zu unternehmen. Auf der Couch zu dösen, heißt ja auch nicht, nichts zu tun. Man tut ja was. Man döst. Auf der Couch.

Wenn wir unsere Mitmenschen nicht dadurch belasten, ist Faulheit eine prima Sache. Rechenschaft für unsere Freizeitgestaltung sind wir niemandem schuldig. Dafür bekommen wir kein Zeugnis ausgestellt.

Wir dürfen faul sein, wenn wir das Bedürfnis danach haben, und es ohne schlechtes Gewissen genießen. Haben wir uns nachhaltig erholt, keimt in uns mit großer Wahrscheinlichkeit der Wunsch nach Aktivität wieder auf.

Bei der Freizeitplanung ist Ausgewogenheit zwischen unverplanter und verplanter Freizeit wichtig. Unverplante Freizeit kann durchaus Aktivität bedeuten, doch ergibt sich diese spontan aus einem aktuellen Wunsch heraus.

Verplante Freizeit hat oft ihren Platz im Kalender, unverplante nicht, was eigentlich besser ist, denn in den Kalender sollten wir nur Termine eintragen. Damit die unverplante Freizeit nicht von anderen Aktivitäten verdrängt wird, kann es sinnvoll sein, sie als Termin einzutragen, damit wir uns selbst daran hindern, uns etwas für diese Zeit vorzunehmen. Ob das nötig ist, wird sich jeder von uns leicht selbst beantworten können.

Entscheidend ist, unsere gesamte Freizeit als Planungsgröße wahrzunehmen, damit wir die richtige Balance finden und die unverplante Zeit im Zweifel einplanen können.

Eisenhower-Prinzip: Auf den Mix kommt es an! D-Aufgaben gehören dazu

Prioritäten zu setzen, ist entscheidend für Erfolg und Wohlbefinden. Das bekannte Eisenhower-Prinzip mit der Einteilung in A-, B-, C- und D-Aufgaben hat sich bewährt. Es wurde unzählige Male beschrieben, daher nenne ich an dieser Stelle nur die vier verschiedenen Prioritätsstufen:

A: wichtig und dringend

B: wichtig, aber nicht dringend

C: weniger wichtig, aber dringend

D: weder wichtig noch dringend

D-Aufgaben sind also nicht wichtig und nicht dringend. Empfiehlt es sich daher, diese gleich ganz aus seinen Plänen zu streichen? Vielfach wird dies empfohlen, doch das wäre ein Fehler.

Das Leben steckt voller D-Aufgaben, sie gehören zu unserem Leben, sie sollten ihren Platz in unseren Plänen haben: nicht nur im Tagesplan, auch im Jahresplan. D-Aufgaben sind zwar „nicht wichtig“, aber wichtig genug, um sie überhaupt durchzuführen. Sonst wären es P-Aufgaben (P für Papierkorb) bzw. bräuchten sie keinen Prioritäts-Buchstaben, denn sie wären schlicht keine Aufgaben.

Die meisten Menschen verwenden (verschwenden) zu viel Zeit auf D-Aufgaben und vernachlässigen ihre B-Aufgaben. Den Tagesplan nur mit A- und B-Aufgaben und ganz wenigen C-Aufgaben zu füllen, wäre dennoch ein Fehler, schon weil dies in den meisten Fällen viel zu anstrengend wäre.

Außerdem gilt, was oft übersehen wird, für D-Aufgaben, was für B-Aufgaben gilt: Ihr Status ändert sich. So wie wichtige Aufgaben nach einer gewissen Zeit dringend werden können (Termine, Fristen…), wird es auch für D-Aufgaben irgendwann knapp, sie werden zu C-Aufgaben. Dieses Aufrücken sollte in beiden (!) Klassen verhindert werden.

D-Aufgaben immer erst dann anzugehen, wenn sie zu C-Aufgaben mutiert sind, wäre ein schlechter Rat. Ebenfalls analog zu den B-Aufgaben, von denen nicht alle nach einer Weile zu A-Aufgaben werden, bleiben manche D-Aufgaben einfach nur D-Aufgaben. Diese würden dann nie erledigt.

In einem ausgewogenen Tagesplan wechseln sich Aufgaben verschiedener Priorität nacheinander ab; nach einer kräftezehrenden A-Aufgabe passt eine D-Aufgabe meist besser als eine B-Aufgabe, wobei wichtigere Aufgaben nicht automatisch anstrengender und zeitraubender sind – oft jedoch schon!

Die richtige Wohlfühlmischung aus A-, B- C- und D-Aufgaben lässt sich nicht allgemeinverbindlich festlegen, der richtige Mix ist individuell verschieden. Wohlfühlmischung sage ich, um zu betonen, dass es nicht nur auf das erfolgreiche Abarbeiten von Prioritätenlisten ankommt. Wir wollen unser Leben doch auch genießen! Was nützt ein Highscore in einem Spiel, das uns keinen Spaß mehr macht?

Einsparungen für mehr Lebensqualität

Das Wort Einsparungen hat keinen guten Klang. Es klingt nach unfreiwilligem Verzicht, der einem von anderen aufgenötigt wird. Einsparungen und Kürzungen im privaten Lebensbereich können jedoch zweifach zu mehr Lebensqualität führen.

Sparen zu müssen, ist in der Tat unerfreulich. Sparen zu können, kann befreiend wirken, wenn Du Dein Leben dabei vereinfachen kannst. Den Rest des Beitrags lesen »

Zeit sparen mit privaten Telefongesprächen

Das Telefon hat die Kommunikation revolutioniert und die Welt verändert. Das ist lange her, meinst Du? Schon, aber eine Revolution für Dein Leben steht vermutlich noch aus.

Mit Deinem Telefon als Hilfsmittel kannst Du im Büro, an Deinem Arbeitsplatz zuhause und in Deiner Wohnung Ordnung schaffen, wie Du es bisher kaum für möglich gehalten hast. Der Hintergrund ist: Unordnung entsteht selten weil wir keine Zeit zum Aufräumen hätten.

Unordnung breitet sich aus, weil wir keine Lust zum Aufräumen haben. Alles andere sind meistens Ausreden. Die guten Gründe, warum die ins Aufräumen investierte Zeit besonders gut angelegt ist, erreichen uns auf der rationalen Ebene. Die Faulheit wirkt auf der Gefühlsebene und siegt viel zu oft. Den Rest des Beitrags lesen »

Verzichten ist gar nicht so schlimm

Zeitmanagement brauchen nur Menschen, die mehr Aufgaben erledigen möchten als gut für sie ist. Das stimmt natürlich nicht! Mit diesem provokanten Ausspruch möchte ich Dich zum kritischen Mitdenken bewegen.

Völlig in die falsche Richtung geht der Spruch dennoch nicht: Mit Zeitmanagement beschäftigt sich kaum ein Mensch, der nicht ein Problem damit hat. (Was sagt das über mich als Betreiber dieses Blogs?) Im Ernst! Wer seine Aufgaben locker erledigt und stets Zeitreserven hat, selten unter Zeitdruck steht, wird kein Bewusstsein für die Notwendigkeit eines Zeitmanagements entwickeln.

Viele von uns sind heute in der Situation, mit ihrer Zeit nicht zu reichen. Die äußeren Anforderungen aus Gesellschaft und Wirtschaftleben spielen dabei eine Rolle. In der Großfamilie konnten Aufgaben breiter als in einem Singlehaushalt verteilt werden, um nur ein Beispiel zu nennen.

Das Augenmerk richten möchte ich hier auf unsere oft schlecht entwickelte Fähigkeit, auszuwählen, welche Aufgaben, Freizeitangebote oder anderen freiwilligen Tätigkeiten wir annehmen bzw. von uns aus angehen und worauf wir verzichten.

Auswahl bedeutet Verzicht und wer mag schon gerne auf etwas verzichten, jedenfalls auf etwas, wovon er sich Freude, Genuss, wirtschaftliche oder andere Vorteile erwartet? Verzichten ist nicht sexy.

Keine klaren Entscheidungen für und gegen Aufgaben, Aktivitäten, Angebote usw. zu treffen, führt zu Zeitnot, Stress, Überforderung und einem unnötig komplizierten Leben. Hier wird deutlich, wie wichtig es ist, herauszufinden, was einem im Leben wichtig ist und sich Ziele zu setzen, denn so haben wir eine Messlatte für unsere Entscheidungen.

Wenn wir wissen, was wir wollen und unsere Bedürfnisse kennen, können wir uns leichter für eine kleinere, einfachere Lösung entscheiden und brauchen nicht die Maximallösung anzustreben. So können wir erkennen, wann wir genug haben. Gier macht nicht glücklich.

Der Verzicht hat auch eine attraktive Seite: Einen Teil der „gesparten“ Zeit und Energie können wir dort einsetzen, wo wir am meisten davon haben. Das kann, muss aber nicht im Bereich von Freizeit oder Familie sein.

Vielleicht bedeutet es auch, ein Hobby aufzugeben, um sich besser auf die Karriere konzentrieren zu können – wenn es das ist, was einem am Herzen liegt. Wer in seinem Job Erfüllung findet, sollte daraus die Konsequenzen ziehen, um die Arbeit tatsächlich genießen zu können.

Verzichten ist gar nicht so schlimm, wenn es freiwillig ist und bedeutet, sich auf das Leben konzentrieren zu können, für das wir uns entschieden haben.

Jeden Tag 100 % geben: bloß nicht!

Wettbewerb, Verbesserungen und ein hoher Anspruch an die eigenen Leistungen sind gut. Die Anstrengungen dabei sollten jedoch in einem menschlichen Rahmen bleiben. Jeden Tag 100 Prozent zu geben, am besten noch 150 Prozent – das geht nicht lange gut.

Der Burnout wird immer mehr zur Volkskrankheit, woran übertriebene Leistungsansprüche mitschuldig sind. Jeden Tag Höchstleistungen bringen zu wollen, führt geradewegs zu Krankheit, Stress und ausgebrannt sein.

Es gibt Situationen, da kann, möchte und sollte man „alles“ geben. Nimmt man sich anschließend genügend Zeit zur Erholung, sorgt für Ausgleich und lässt die Dinge wieder langsamer laufen, ist alles in Ordnung.

Der verschärfte Wettbewerb in einer globalisierten Wirtschaft ist bloß eine Ursache für den stärkeren Leistungsdruck. Hier kann man als Einzelner nur einen kleinen Beitrag zur Veränderung leisten. (Was man tun sollte, aber die unmittelbare Wirkung ist nicht groß genug, um sich selbst hier und heute zu schützen.)

Sehr wohl in der Hand haben wir, unsere Einstellung zu ändern. Prüfen wir, wo es sich lohnt, Spitzenleistungen von sich selbst (!) zu erwarten und wo das nicht nötig ist auch weil andere es nicht von uns erwarten.

Bei Aufgaben von hoher Priorität für uns sollten wir mehr Energie einsetzen als bei vergleichsweise unwichtigen Aufgaben. Bei welchen Aufgaben lohnen sich besondere Anstrengungen? Vieles muss nur „irgendwie“ erledigt werden, nicht gut.

Wichtige Aufgaben, für die wir nicht gut qualifiziert sind, die uns dadurch mehr Anstrengung abverlangen als jemandem, der sich besser damit auskennt, sollten wir nach Möglichkeit gleich an den Profi delegieren und uns so unser Leben leichter machen.

Beruflich wie privat gibt es oft die Gelegenheit, Aufgaben zu tauschen. Oder wie engagieren einen Profi, der die Aufgabe gegen Bezahlung übernimmt. Auch das gilt beruflich wie privat. Nicht umsonst trennen sich viele Unternehmen von Bereichen oder Aufgaben, die nicht zu ihren Kernkompetenzen gehören.

Im Umgang mit unseren Mitmenschen in Familie, Berufsleben und überall sonst können wir Anderen das Leben leichter machen, indem wir ihnen signalisieren, dass wir gar nicht erwarten, dass sie sich verausgaben.

Zeigen wir der Bedienung Verständnis statt zu meckern, wenn wir in einem überfüllten Restaurant zu lange auf unser Essen warten müssen! Muntern wir sie auf! Wenn wir etwas ändern möchten, können wir dem Chef oder Betreiber mitteilen, dass er zusätzliches Personal einstellen sollte und wir für die verbesserte Servicequalität auch 50 Cent mehr bezahlen würden. Das ist ein entscheidender Punkt: sich den Wert der Arbeit klarzumachen.

Bei jeder Tagesplanung können wir prüfen, ob wir uns nicht gerade zu viel vornehmen. Das ist eine tägliche Chance, uns unser Leben leichter zu machen, Druck und Stress zu verringern.

E-Mails müssen keine Zeitdiebe sein

Ich bin ein großer Fan von E-Mails. Zu Unrecht werden E-Mails in letzter Zeit immer öfter zu Zeiträubern erklärt, denn im Vergleich mit anderen Kommunikationsmitteln bieten E-Mails viele Vorteile, eindeutiger und Zeit sparender zu kommunizieren und dabei Stress zu vermeiden.

Thematisiert wird meist, dass das ständige Eintreffen von E-Mails uns immer und immer wieder aus der Arbeit reißt und wir so mit weniger Konzentration viel länger für eine Aufgabe benötigen und am Ende gestresst sind.

So kann es gehen und der Tipp, die Automatik abzustellen und stattdessen nur noch zu festen Zeiten seine E-Mails abzurufen und zu beantworten, ist auch vernünftig. In diesem Zug das Telefon als besseres Kommunikationsmittel zu preisen, ist ein Irrweg.

E-Mails bieten gerade den Vorteil, nicht sofort reagieren zu müssen, sondern den Zeitpunkt für die eigene Kommunikationsaktivität selbst zu bestimmen. In den meisten Fällen ist die E-Mail die bessere Wahl, weil das Formulieren hilft, Gedanken zu ordnen, zu Ende zu denken, also ausgereiftere Ideen zu präsentieren.

Viel von dem Unsinn, der am Telefon gesagt wird, würde man in einer E-Mail nie an den Empfänger schicken. In der E-Mail gibt man sich mehr Mühe, was unter anderem darin begründet ist, dass die E-Mail dauerhaft erhalten bleibt und weitergeleitet werden kann.

In ihrer Beständigkeit liegt ein weiterer, entscheidender Vorteil: Was im Meeting oder am Telefon beredet wird ist oft schon in der nächsten Woche vergessen, im Idealfall wird ein Protokoll oder eine Gesprächsnotiz angelegt – wie oft passiert das?

E-Mails – auch die eigenen! – lassen sich archivieren und diese Archive sind durchsuchbar. Die eigenen guten Ideen aus dem vorigen Jahr sind in Sekundenschnelle über eine Suchfunktion aufspürbar.

Es dauert länger, die E-Mail zu formulieren. Dafür haben alle etwas in der Hand und nicht nur unterschiedliche Eindrücke davon, worüber man gesprochen hat. Mehr Zeit in das Nachdenken zu investieren, ist selten ein Fehler, sondern zahlt sich in Form besserer Ergebnisse sowie Zeitersparnis aus. Was man einmal richtig gemacht hat, hat man erledigt.

Da sind wir schon bei der wahren Ursache der E-Mail-Flut, die so viele von uns tagtäglich heimsucht: schnell auf der Tastatur, langsam im Kopf. Es wird zu wenig nachgedacht bei der E-Mail-Kommunikation. Mehr Sorgfalt (nicht nur bei der Auswahl der Empfänger) bringt es zwangsweise mit sich, den Output zu reduzieren.

Sorgfältiger formulierte E-Mails mit gut durchdachten Inhalten ziehen zudem weniger Folgekommunikation z. B. durch Nachfragen und Einwände nach sich. Müssen weniger E-Mails beantwortet werden, steht für jede einzelne mehr Zeit zur Verfügung, was wiederum der Qualität zugute kommen kann.

Treffen weniger E-Mails im Posteingang ein, wird es in vielen Fällen überhaupt erst wieder möglich sein, jede wichtige Mail zu beantworten. Wie viele von uns kapitulieren zeitweise einfach vor der Menge an eintreffenden Mails?

(Keine) Zeit zum Aufräumen

Zum Aufräumen haben wir eigentlich nie Zeit. Ein überfüllter Schreibtisch, überquellende Ablagen und Schubladen, in der digitalen Welt viel zu sehr gefüllte Ordner auf der Festplatte oder im E-Mail-Programm – viele von uns arrangieren sich damit, weil sie denken, dass sie zum Aufräumen keine Zeit hätten.

Andere haben permanent ein schlechtes Gewissen, beschäftigen sich daher täglich mit dem Aufräumen, ohne jedoch anzupacken und tatsächlich etwas zu bewegen und verschlimmern ihre Lage so zusätzlich.

In beiden Fällen büßen wir Aufmerksamkeit, Energie, Konzentration ein, die wir besser für unsere wichtigen Aufgaben und Ziele einsetzen könnten. Dazu steht uns unsere Unordnung oft ganz real im Weg oder verhindert zumindest bessere Arbeitsleistungen.

Warum räumen wir nicht auf? Ist eben Gesagtes ein Geheimnis? Im Gegenteil, den meisten von uns ist dies auf der intellektuellen Ebene bewusst oder sie ahnen es zumindest, falls sie das Thema nicht nah genug heranlassen, um darüber nachzudenken.

Sehr oft wird als Rechtfertigung angeführt, man hätte keine Zeit zum Aufräumen. Jedenfalls jetzt nicht und in den nächsten Tagen, was in einigen Tagen aber immer noch gilt, das Unangenehme wird immer wieder verschoben, sodass diese unangenehme Pflicht nie von unserer Aufgabenliste verschwindet. Belastend! So belastend, dass einem noch die letzte Lust nimmt, tatsächlich mit dem Aufräumen anzufangen. Indem wir die Aufgabe vor uns herschieben, jeden Tag ein Stück, ohne sie zu erledigen, lassen wir sie wachsen wie eine Schneekugel, die wir jeden Tag im Pappschnee ein Stückchen weiter rollen. Und jeden Tag wird es schwerer, sie zu bewegen. Zu übersehen ist sie bald auch nicht mehr, verdrängen funktioniert nicht mehr.

Ist ein Ordnungssystem vorhanden, welches man nur vernachlässigt hat, kann man es damit versuchen, das Aufräumen gar nicht erst groß einzuplanen, sondern immer nur ein paar Minuten einzuschieben, immer nur ein paar Kleinigkeiten an ihren Platz zu stellen, wegzuwerfen, einzuheften, zu verschieben. Spontan!

Bestens geeignet sind Zeiten, in denen es sich nicht mehr lohnt, was „Richtiges“ anzufangen: kurz vor dem Feierabend oder der Mittagspause, kurz bevor man von daheim zu einer Verabredung aufbrechen möchte, vor dem Abendessen. Hervorragend einsetzbar ist diese Technik auch, wenn der Computer neu gestartet wird, denn in der Zeit können wir sowieso oft nichts Produktives tun – wird jedenfalls gerne behauptet.

Ist dagegen kein System vorhanden, funktioniert das leider nicht. Dann ist es besser, sich klarzumachen, dass es eine Leistung ist, dieses System für sich einzurichten. Es fällt manchmal schwer, sich diese Zeit tatsächlich zuzugestehen, weil man in der Zeit doch „richtige“ Arbeit erledigen und „richtig“ was schaffen könnte. Helfen kann in dieser Situation, sich bewusst zu machen, dass man den Erfolg beim Aufräumen sehen kann, oft viel mehr als bei der „eigentlichen“ Arbeit.

Möglichkeiten, sich selbst dazu zu bringen, endlich für Ordnung zu sorgen, existieren unzählige. Wesentlich ist, aus der Routine des Verschiebens auszubrechen, sich nicht wie immer zu verhalten, sondern das Muster im eigenen Verhalten zu durchbrechen. Wie man das anstellt, ist nicht so wichtig.

Ja, es gibt Tage, da haben wir wirklich keine Zeit zum Aufräumen, wäre die Schaffung eines Ordnungssystems nicht im Sinne einer sinnvollen Prioritätensetzung. Aber mal ehrlich: Wie viele Tage im Jahr sind das?

Entschleunigen für Anfänger: Einfach mal Zeit mit Surfen verschwenden

Hier ist ein Tipp, um das eigene Leben zu entschleunigen, der wirklich Spaß bringt. Versprochen! Zur Entschleunigung unseres Lebens werden oft Maßnahmen vorgeschlagen, die uns einmal für kurze Zeit weg führen von Web, Handy, Organizer, Fernbedienungen und anderen Errungenschaften des modernen Lebens.

Ich weiß, wie schwer das fällt und möchte zum Einstieg in die Entschleunigung eine ganz einfache Möglichkeit vorschlagen, zu der wir uns nicht erst zwingen müssen und die wir bequem nutzen können, ohne von unserem Schreibtisch aufzustehen.

Ohne schlechtes Gewissen einfach mal wieder im Web „surfen“, nicht während der Arbeitszeit oder während man eigentlich nach etwas anderem sucht, sondern bewusst, mit ausreichend Zeit und vor allem mit reinem Gewissen – wann haben wir das zum letzten Mal getan? Den Computer nur dafür einzuschalten, um uns im Web von Seite zu Seite zu klicken und das ganz altmodisch auch noch Surfen zu nennen!

Das Wort habe ich lange nicht mehr jemanden sagen hören, der über fortgeschrittene Onlinekompetenz verfügt. Ich gebrauche es hier, weil es einige von uns in eine frühere Zeit zurücktragen könnte, die weit zurückliegt, in der das Internet noch nicht fester Bestandteil unserer Arbeitswelt war. Das Web war für die meisten Menschen nur ein Spaß. Holen wir uns diesen Spaß mal wieder zurück! Mit schnellem DSL und Flatrate verdirbt uns nicht einmal mehr unsere Telefonrechnung die Freude am Websurfen.

An welche Websites aus der damaligen Zeit erinnern wir uns noch? Beginnen wir unseren Ausflug ins Netz doch mit der Suche nach dem Verbleib dieser Onlineangebote. Einige sind vielleicht noch online, andere lassen sich nur noch über spezielle Archive als historisches Material bewundern.

Worauf es ankommt: Plane das Surfen im Web als Freizeittermin ein, den Du nicht mit Arbeit in irgendeiner Form verbindest – auch nicht mit Überweisungen von Deinem Onlinekonto oder dem Chat mit Arbeitskollegen, die um diese Zeit vielleicht zufällig online sind oder gar der Pflege Deines Profils bei XING oder einem anderen Social Network für den Businessbereich.

Onlineshopping ist erlaubt, aber komm ja nicht auf den Gedanken, nach Fachbüchern für Deine Arbeit zu suchen! Ein Fachbuch über die Gestaltung eines Aquariums, das Du Dir schon lange bauen wolltest, ist dagegen erlaubt. Ich bin sicher, Du weißt jetzt, worauf es mir ankommt.

Ohne schlechtes Gewissen nur zum Spaß online zu gehen, kann Dir die Freude mit dem Medium ein Stück zurückbringen, wenn das Internet inzwischen hauptsächlich ein Tool für Deine tägliche Arbeit geworden ist. Gib zu, dass ich Dich dazu nicht erst überreden muss!

Als positiven Nebeneffekt bekommst Du unter Umständen eine bessere Konzentration auf Deine Arbeit, wenn Du später wieder beruflich im Netz bist, weil Du die Seiten, die Du unbedingt besuchen wolltest, schon in Deiner Freizeit besucht hast und Du Dich jetzt nicht mehr damit ablenkst.