Archiv für April, 2008

Stress durch Bücher: richtiges Verhalten im Buchladen

Stress durch zu viele Informationen wartet inzwischen an zahlreichen Stellen im modernen Leben. Letzten Samstag war ich in einem meiner Lieblingsbuchläden. Ich mag Buchläden, die besonders groß sind und so für meine Interessen eine gewisse Auswahl bieten, also nicht nur ein paar Bestseller, sondern auch etwas zum Entdecken.

Das Problem dabei ist jedoch, dass ich wieder mindestens ein halbes Dutzend Bücher entdeckt habe, die ich sehr gerne lesen würde. Ich habe mich dort wieder gefühlt wie früher als Kind in der Spielwarenabteilung: So viele Sachen und ich möchte am liebsten so viel mitnehmen, wie ich tragen kann. Den Rest des Beitrags lesen »

Aus jeder Minute 60 Sekunden herausquetschen?

Jede Minute hat 60 Sekunden. Bis zu diesem Punkt sind wir uns alle einig, doch wenn es darum geht, was man aus seiner Minute machen kann oder soll, wird es vorbei sein mit der Einigkeit.

Ich freue mich auf der mobile Internet, das wird groß, ganz, ganz groß und wird unsere Gesellschaft wieder ein gutes Stück verändern, wenn es zum Massenphänomen geworden ist. Sorgen bereitet mir indes, dass damit eine weitere Beschleunigung des Lebens einhergeht, sich die Menschen noch weniger Pausen und echte Ruhezeiten gönnen werden, Freizeit noch stärker von der Arbeit umzingelt wird und Momente des Nichtstuns weiter verschwinden.

Aktualisiert wurde meine Befürchtung heute Nachmittag, als ich am Flughafen eine Zeitschrift besorgte. Eine Touristin hatte sich zwei Berlin-Becher gekauft, die die Verkäuferin in Zeitungspapier transportfertig machte. So etwas dauert lange genug, dass sich eine kleine Schlange bilden kann, in der es zwei Minuten gar nicht weitergeht.

Der Mann vor mir hatte in der linken Hand einen Stapel Zeitschriften, in der rechten einen BlackBerry, den er auch nur mit dieser einen Hand bediente. Einerseits bewunderte ich das Gerät und dachte mir, dass ich als Kind von einer von Technik durchdrungenen Welt geträumt hatte. Das tue ich immer noch, doch zu einem „Will ich auch haben!“ mischte sich in meinem Kopf ein „Mach das bloß nicht! Du wünschst Dir doch Entschleunigung“.

Richtig. Echte Freizeit, für niemanden erreichbar sein, abgekoppelt sein werden immer seltener: Was das Handy nicht schaffte, schafft das Smartphone. Das mobile Büro tragen wir wie ein Sklave seine Ketten.

Meine Technikbegeisterung ist ungebrochen. Deshalb besinne ich mich darauf, dass es nicht die Technik ist, sondern wie wir sie nutzen, wenn wir uns nicht mehr frei fühlen. Jederzeit telefonieren und die E-Mails prüfen zu können (!) ist großartig. Erst es tun zu müssen bzw. sich das einzubilden, bedeutet den Verlust von Freizeit und Freiheit.

Uns selbst Grenzen zu setzen, bewahrt uns aktuell vor dem Schlimmsten. Ein gewisses Unbehagen bereitet mir, wenn zunehmend erwartet wird, dass wir da mitmachen. Noch ist es nicht soweit, dass Kollegen, Auftraggeber und Chefs von uns erwarten, in der Schlange am Zeitungsstand auf unserem Smartphone zu arbeiten. Für die Arbeit mit dem Laptop im Zug und zunehmend im Flugzeug hat sich jedoch längst eine problematische Erwartungshaltung eingebürgert.

Vielleicht war der arme Kerl vor mir in der Schlange einer der ersten, von dem erwartet wird, auf seinem Smartphone zu arbeiten, sobald er auch nur für zwei Minuten eine Hand frei hat.

Für heute bin ich froh, in der Schlange wartend meinen Gedanken nachhängen zu können. Zugeben muss ich allerdings: Hätte ich so einen BlackBerry dabei gehabt, hätte ich gleich dort in der Schlange stehend darüber gebloggt.

Reicht die eingeplante Zeit regelmäßig nicht für alle Aufgaben im Tagesplan?

Zeitpläne brauchen Reserven. Wenn die großzügig eingeplante Zeit immer noch nicht reicht, sollte diese nicht einfach vergrößert, sondern es sollte von uns analysiert werden, wie die Differenz zustande kommt. Störfaktoren werden zu oft nicht berücksichtigt, denn wer nimmt sich z. B. schon vor, eine halbe Stunde durch Anrufe, E-Mails oder Kollegen von der Arbeit abgehalten zu werden?

Störfaktoren sollten reduziert werden, ganz ohne Störungen wird man selten arbeiten können. Und auch gar nicht wollen, denn: Störfaktoren klingt sehr negativ, oft genug sind es auch einfach nur Störungen, die uns von den wichtigen Aufhaben abhalten. Doch Networking mit Kollegen an der Kaffeemaschine beispielsweise klingt nicht nur sinnvoll, sondern ist es auch.

Die sozialen Beziehungen am Arbeitsplatz zu pflegen, ist wichtig; dafür sollte Zeit sein. Berücksichtigen wir das bei unserer Zeitplanung! Drücken wir uns so jedoch davor, unangenehme Aufgaben anzufangen, besteht Korrekturbedarf. Wenn wir ehrlich mit uns selbst sind, fällt die Unterscheidung meistens leicht.

Fehlplanung beim Zeitbedarf kann, wie das Beispiel zeigt, daraus resultieren, bestimmte Tätigkeiten grundsätzlich nicht zu berücksichtigen. Das Problem ist vielfach daher gar nicht, die geplanten Aufgaben selbst hinsichtlich des Zeitbedarfs falsch einzuschätzen, sondern zu viele Tätigkeiten im Zeitplan überhaupt nicht zu berücksichtigen.

Für eine realistische Zeitplanung müssen wir deshalb prüfen, was wir alles zu berücksichtigen haben. Das bedeutet nicht, uns stur auf unsere Arbeit zu konzentrieren, uns den ganzen Tag einzumauern und abzuschirmen, sondern uns bewusst für oder gegen diese mit den eigentlichen Aufgaben verbundenen Aktivitäten zu entscheiden und entsprechende Zeitreserven dafür einzuplanen.

Dann entfällt nicht nur das schlechte Gewissen als Energieräuber, sondern wir können diese Aktivitäten auch besser steuern und insgesamt eine gesunde Balance erzeugen. Ständige Erreichbarkeit kann großen Stress bedeuten, gerade wenn man häufig aus der konzentrierten Arbeit herausgerissen wird.

Nie spontan erreichbar zu sein, ist für Kunden, Mitarbeiter, Freunde und Familie frustrierend, weshalb auch hier wieder eine gesunde Balance gefragt ist. Während besonders wichtiger Aufgaben oder Aufgaben, die besondere Konzentration am Stück erfordern, sollten wir uns weitgehend abschirmen. Unseren Zeitplan einzuhalten, ist dann viel leichter möglich.

Reserven im Zeitplan sollten echte Zeitreserven und nicht schon fest für diverse Kleinigkeiten eingeplant sein. Diese Kleinigkeiten alle einzeln aufzuführen, wäre unverhältnismäßig viel Aufwand; besser ist es, einen Block von beispielsweise 30 Minuten dafür einzuplanen, bei Routineaufgaben eventuell täglich.

Realistische Zeitpläne aufzustellen bedeutet also, nicht nur die wichtigen, großen Aufgaben einzuplanen oder die Aufgaben, die wir mögen, sondern alle anfallenden Tätigkeiten irgendwie zu berücksichtigen.

Zeitmanagement: Mit Reserven statt auf Reserve

Wenn wir einen Trumpf auf der Hand haben, den wir noch nicht ausgespielt haben, können wir aus dieser Position heraus entspannter und optimistischer heraus handeln. Nicht nur beim Karten spielen.

Reserven zu haben, gibt ein gutes Gefühl. Im Rückstand zu sein, kann in besonderen Fällen zu erhöhter Leistung motivieren, doch wird dies zum Dauerzustand, überholen uns Stress und Erschöpfung.

Machen wir uns das bei der Tagesplanung zu Nutze! Das Prinzip ist einfach: Mehr Zeit einplanen, als wir zu benötigen vermuten.

Von starren Regeln wie „immer doppelt so viel Zeit einplanen“ oder „nur den halben Tag verplanen“ halte ich wenig, denn sie sind zu unflexibel und nicht auf unsere individuelle Persönlichkeit abgestimmt. Unsere Persönlichkeit ist ein wichtiger Faktor, denn sie bestimmt ganz wesentlich, wie realistisch wir mit unserer Zeitschätzung sind.

Den Zeitbedarf für Aufgaben, die wir mit Anderen gemeinsam ausführen, können wir längst nicht so genau planen wie den für Aufgaben, die wir alleine ausführen. Bei neuen Aufgaben fehlen uns die Erfahrungswerte, bei Aufgaben, die wir schon oft erfolgreich durchgeführt haben, wissen wir, wie viel Zeit wir einplanen sollten.

Sind die Pufferzeiten und Restzeiten zu lang, nutzen wir das Instrument Tagesplanung nicht gut, weil wir zu wenig aus unserer Arbeitszeit machen. Je mehr Zeit zur Verfügung steht, desto länger brauchen wir sehr oft auch, bis wir fertig sind. Zwei Stunden vor unserem Plan zu sein, ist nicht anzustreben, eine halbe Stunde ist ein guter Wert.

Als Grundregel gilt selbstverständlich, lieber zu viel als zu wenig Zeit reservieren. Bei Aufgaben, deren Zeitbedarf gut absehbar ist, planen wir besser nur wenig mehr Zeit ein und sind bei zeitlich schwer einschätzbaren Aufgaben großzügiger.

Spaß mit Freunden: Dafür sollte jeden Tag Zeit sein

Gehört Spaß auf die To Do List oder in den Terminkalender? Direkt „Spaß“ einzutragen, wäre witzlos. Wir sollten unseren Tagesplan jedoch nicht so gestalten, dass für Spaß keine Zeit mehr bleibt.

Zu Wochenbeginn habe ich am Fernseher durch Zufall auf Super RTL geschaltet, es lief gerade eine Folge von „Winnie Puuh und seine Freunde“, die mich in ihren Bann zog. Mit meinen 35 Jahren gehöre ich nicht zur Kernzielgruppe dieser Zeichentrickserie, doch die entspannte Atmosphäre ließ mich verweilen.

In besagter Folge nahm Rabbit seinen Kumpel Tigger bei sich auf, weil dieser seinen Fußboden gestrichen hatte und deshalb nicht in seiner Wohnung bleiben konnte. Rabbit hatte seinen Tag streng durchorganisiert und arbeitete seine To Do List durch – wollte er jedenfalls, denn Tigger hielt ihn mit seinen Späßen von der Arbeit ab und auch seine gut gemeinten Versuche, Rabbit zu helfen, sorgten bei diesem nur für Stress.

Tigger war zwar wirklich keine Hilfe, doch was Rabbit zur Verzweiflung brachte, war, dass sein schöner Plan für die Katz war. Selbst als Tigger durch einen Trick aus der Wohnung gelockt war, fand Rabbit keine Ruhe, weil er auf eine von Tiggers Scherzfragen die Antwort nicht wusste. Also ging er zu Tigger und den anderen, um endlich zu erfahren, warum die Vögel im Winter nach Süden fliegen.

Über die Auflösung musste er sehr lachen und gab gegenüber seinen Freunden zu, dass man mit Tigger immer viel Spaß hätte. Und nun kommt’s: „Wenn man Zeit für Spaß hat“, wandte Rabbit ein und daraufhin kam die Message für die kleinen Zuschauer: „Dafür sollte jeden Tag Zeit sein!“

„Das musst Du bloggen!“, dachte ich mir sofort. Das war plump, aber genau so brauchen es vielbeschäftigte Erwachsene, die vergessen haben, sich Zeit für Spaß mit ihren Freunden zu nehmen.

Mir erschließt sich zwar nicht, warum man Kinder im Vorschulalter diesen Rat geben sollte. Auch bin ich verunsichert, ob Kinder in diesem Alter heute schon wissen, was eine To Do List ist und falls ja, was das über den Zustand unserer Gesellschaft aussagen würde.

Uns, die wir schon groß sind, könnten die Botschaften in Zeichentrickserien wie „Winnie Puuh und seine Freunde“ bestimmt noch mehr Lebensweisheiten vermitteln: heiter, direkt und einfach.

Um zu erkennen, worauf es im Leben wirklich ankommt, muss man nicht einmal die Grundschule abgeschlossen haben. Wir leben im Informationszeitalter, in einer Wissensgesellschaft. Wenn ich mir die Probleme der Welt anschaue, drängt sich mir die Frage auf, ob wir diese Bezeichnungen nicht überdenken sollten.

So einfach ist das nicht? Na gut. Aber so kompliziert müsste es auch nicht sein.