Winterblues: Jeder Dritte leidet

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Der eine oder andere sonnige Tag steht uns dieses Jahr zwar noch bevor, doch Frühlung und Sommer liegen gefühlt schon wieder Ewigkeiten zurück. Die kalte, dunkle Jahreszeit beginnt gerade erst, aber deshalb muss sich niemand damit abfinden, wenn seine Stimmung in den Keller wandert bzw. den aktuellen Wetterbericht widerspiegelt.

Ein erster Trost: Vielen Menschen in Deutschland geht es so. Mit dem Stimmungstief ist man nicht allein. Die Techniker Krankenkasse (TK) schreibt diese Woche in einer Presseinformation: “Wenn das Wetter schlechter und die Tage kürzer werden, sinkt bei fast jedem dritten Deutschen das Stimmungsbarometer in den Keller. Das zeigte eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK). Frauen leiden dabei stärker unter dem saisonalen Seelenblues: 36 Prozent von ihnen gaben an, in der dunklen Jahreszeit in ein Stimmungstief zu fallen – von den Männern mit 24 Prozent nur jeder Vierte. Ein echter ‘Wintertyp’, der sich erst bei Minusgraden richtig wohl fühlt, ist dagegen kaum jeder Achte hierzulande.” Aha, die gibt es also auch. Von den Wintertypen hört man wenig, aber vielleicht drücken die echten Wintertypen ihr Wohlbefinden einfach anders aus.

Foto: Techniker Krankenkasse

Foto: Techniker Krankenkasse

Nebel, Nieselregen und Dunkelheit schlagen vielen Menschen aufs Gemüt. Fachleute nennen das eine saisonal abhängige Depression: “Ein vorübergehendes Stimmungstief ist kein Grund, sich die Decke über den Kopf zu ziehen oder zur Chemiekeule zu greifen”, sagt York Scheller von der TK. Der Psychologe empfiehlt stattdessen, sich den vielen sanften Methoden zuzuwenden, die helfen, wieder auf die sonnige Seite des Lebens zurück zu kehren.

Die TK schreibt: “Erwischt einen der saisonale Seelenblues, fällt es schwer, sich zu konzentrieren. Die Stimmung schwankt, man hat auf nichts mehr Lust und ist ständig müde. So gaben auch zwei von drei Wintermuffeln in der TK-Umfrage an, dass ihnen in der dunklen Jahreszeit die Energie fehlt, etwas zu unternehmen. Fast ebenso viele von ihnen sagten, dass sie im Winter nur schwer aus dem Bett kommen und tagsüber kaum die Augen offen halten können. Hinzu kommt häufig ein ausgeprägter Heißhunger auf Süßigkeiten, von dem jeder fünfte Betroffene berichtete.”

Das große Angebot an Süßigkeiten in der schon Ende des Sommers beginnenden Vorweihweihnachtszeit stößt also bei vielen Menschen auf eine gesteigerte Nachfrage. “Ausgelöst wird das Stimmungstief hauptsächlich durch den Lichtmangel in der kalten Jahreszeit, der den Hormonhaushalt des Menschen beeinflusst”, so Scheller. Bekommt der Körper nicht genug Licht, produziert er in der Folge eine geringere Menge stimmungsaufhellende Endorphine und schüttet geringere Mengen des “Glückshormons” Serotonin aus. Dafür wird in der dunklen Zeit mehr Melatonin erzeugt, was sonst in der Nacht den Schlaf steuert, daher schlaff und müde macht.

Wenn man sich dessen bewusst ist, kann man eigentlich leicht gegensteuern. Aber viele Menschen tun das Gegenteil von dem, was sie tun sollten. Dazu die TK: “Wie hoch der Serotonin-Spiegel im Gehirn ist, hängt also nicht zuletzt davon ab, wie viel Tageslicht man aufnimmt. Gerade Menschen, die unter dem Seelenblues leiden, bleiben in der kalten Jahreszeit jedoch am liebsten in den eigenen vier Wänden: Sechs von zehn Betroffenen gaben an, dass sie bei trübem Wetter nur rausgehen, wenn es unbedingt sein muss. Und jeder Zweite setzt sich vor den Fernseher oder Computer, um sich von der trüben Stimmung abzulenken.”

Diesen Personen rät Scheller zum Gegenteil: “Tageslicht ist die beste Therapie für die leichte saisonale Depression”, erklärt York Scheller. “Wer täglich eine Viertelstunde an die frische Luft geht, kann wirksam etwas gegen sein Stimmungstief tun – selbst bei schlechtem Wetter.” Von stimmungsaufhellenden Medikamenten oder natürlichen Hilfsmitteln wie Johanniskraut rät der Psychologe dagegen ab. Jeder zehnte von Winterblues betroffene greift allerdings laut TK-Umfrage auf solche Mittel zurück während der dunklen Jahreszeit.


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