Schluss mit Arbeitsschluss

Der Mensch braucht Zeiten, in denen er abschalten kann. Selbst wenn man seinen Traumjob gefunden hat und sich jeden Morgen nach dem Aufstehen auf die Arbeit freut: Irgendwann sollte Schluss ein.

Die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit verschwinden allerdings zunehmend. Moderne Kommunikationsmittel ermöglichen eine Erreichbarkeit außerhalb der für Arbeit vorgesehenen Zeiten, wie man es sich früher nicht hätte träumen lassen. Jederzeit für Arbeitgeber, Kollegen oder Kunden erreichbar zu sein, kann zur großen Belastung werden, die dem Burnout den Weg ebnet. Zudem können viele Arbeiten nicht nur am Arbeitsplatz, sondern von jedem Computer mit Internetzugang durchgeführt werden. Die große Mehrheit der berufstätigen Menschen in Deutschland ist nach offiziellem Arbeitsschluss weiter erreichbar, meldet der BITKOM.

Im Pressetext zum Thema Erreichbarkeit nach Büroschluss schreibt der Verband:

>>Zwei Drittel der Berufstätigen in Deutschland sind außerhalb ihrer regulären Arbeitszeiten für Kunden, Kollegen oder Vorgesetzte per Internet oder Handy erreichbar. Ein Drittel der Erwerbstätigen ist jederzeit erreichbar, also auch am Abend oder am Wochenende. Ein weiteres Drittel ist zu festgelegten Zeiten per Internet oder Telefon auch außerhalb der Arbeitszeit für den Arbeitgeber da. Das hat eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Hightech-Verbands BITKOM ergeben. 32 Prozent der Berufstätigen sind in ihrer Freizeit nur in Ausnahmefällen oder gar nicht per Internet oder Handy erreichbar. Unterschiede bei der Erreichbarkeit gibt es bei Männern und Frauen. Während fast drei Viertel (73 Prozent) der berufstätigen Männer außerhalb der normalen Arbeitszeiten per Handy oder E-Mail erreichbar sind, sind es bei den Frauen 59 Prozent. „Die neuen Kommunikationsmittel bringen es mit sich, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer mehr verschwimmen“, sagte BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer. Forciert werde dieser Trend durch den Erfolg von modernen Smartphones, die an praktisch jedem Ort die Bearbeitung beruflicher E-Mails und das Surfen im Internet ermöglichen.

„Internet und Handy beschleunigen die betrieblichen Prozesse und bringen mehr Flexibilität und Mobilität“, sagte Scheer. So könnten dringende Arbeiten auch schnell im Home-Office oder unterwegs erledigt werden. Zur Erreichbarkeit außerhalb der Bürozeiten sollten aber klare Regelungen zwischen Arbeitgeber und Mitarbeitern vereinbart werden. Unter anderem sollte festgelegt werden, wann und aus welchem Anlass der Mitarbeiter erreichbar sein sollte. Nach den Ergebnissen der Umfrage existieren bei der Mehrheit der Befragten (56 Prozent) bereits entsprechende Vereinbarungen. Bei 34 Prozent der Berufstätigen gibt es Vereinbarungen im Rahmen einer individuellen Absprache mit dem Vorgesetzten. Bei 22 Prozent existiert eine Vorgabe des Arbeitgebers für alle Mitarbeiter. Allerdings gibt es bei immerhin bei 41 Prozent der Berufstätigen keine klaren Vereinbarungen mit dem Arbeitgeber.

Arbeitsrechtlich besteht keine Verpflichtung für den Arbeitnehmer, während der Freizeit per E-Mail oder Handy für den Arbeitgeber erreichbar zu sein. Anders verhält es sich, wenn eine so genannte „Rufbereitschaft“ vereinbart wurde. In diesem Fall muss der Arbeitnehmer auf Abruf zur „unverzüglichen Arbeitsaufnahme“ in der Lage sein. Das kann im Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder auch mündlich vereinbart werden. Bei vielen ist eine Rufbereitschaft Teil des Jobs, zum Beispiel im technischen Support. Bei normalen Bürotätigkeiten kommt es auf die Art der Tätigkeit und die Bezahlung an. In den Arbeitsverträgen von gut bezahlten Experten sowie Führungskräften kann eine Rufbereitschaft pauschal abgegolten werden.

Das Thema der Erreichbarkeit sollte aus Sicht des BITKOM möglichst bereits bei Bewerbungsgesprächen, aber auch im Rahmen von Personalgesprächen diskutiert werden. Scheer: „Zwischen ‚Dienst nach Vorschrift‘ und einer ständigen Verfügbarkeit müssen die Beteiligten einen gesunden Mittelweg finden.“

Zur Methodik: Die Daten wurden in einer repräsentativen Befragung der ARIS Umfrageforschung im Auftrag des BITKOM erhoben. Dabei wurden 1.000 Personen in Privathaushalten ab 14 Jahre befragt.<<

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5 Kommentare

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  1. Onassis Donnerstag, 15. April 2010 um 01:15 #

    Welcher Mitarbeiter/-in engagiert sich am meisten?
    Natürlich bekommt der die Gehaltserhöhung, der auch am meisten gearbeitet hat, nur zu verständlich.

    Die heutige 35 oder 40 Stunden Woche ist nicht mehr zeitgemäß.
    In den USA wird erheblich mehr gearbeitet als bei uns in Deutschland.

    Und auch ein Vertriebler kann “noch mehr” Umsatz erzeugen, wenn er auch nach 16 oder 17 Uhr noch Emails beantwortet, Telefonate führt oder Kunden beim Abendessen in einem Restaurant zu einem Auftrag schieben kann.

    Arbeit ist nicht alles, aber ohen Arbeit ist alles nichts ;-)

    Ich habe mich für die Arbeit entschieden und shcrecke auch vor einem 12 Stunden Tag nicht zurück.
    Wenn ich dafür eine Gegenleistung erhalte (in meinem Fall ist mir nur Geld wichtig), bin ich absolut zufrieden!

  2. KarlRoberts Donnerstag, 22. April 2010 um 13:54 #

    Dass der Mensch leicht erreichbar nach der Arbeit ist. kann auch natürlich seine Schuld sein. Die Kollegen und besonders der Chef müssen sich daran noch am Anfang nicht gewöhnen.

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