Soziale Netzwerke – Datensammeln statt Zensur

Über die Chancen für die Demokratie durch Soziale Netzwerke wird viel berichtet. Besonders in diesem Jahr werden Begriffe wie Internet-Revolution inflationär gebraucht. Ohne Frage: Social Media wohnt eine Sprengkraft inne, die eine ernsthafte Bedrohung für Regierungen darstellen kann. Nicht allein in Diktaturen, sondern auch in Demokratien.

Viel zu selten indes werden die besonderen Gefahren benannt, denen sich Menschen aussetzen, die über Soziale Netzwerke wie Facebook Einfluss auf die Politik ihres Landes nehmen wollen. Schon für Bürger freiheitlicher Staaten bestehen gewisse Risiken, wenn sie im Internet ihre Meinung äußern. Man muss derzeit davon ausgehen, dass all diese Daten auf ewig mit der eigenen Person verbunden sein werden. Wenn Arbeitskollegen “zu viel” von der eigenen politischen Überzeugung erfahren, kann dies schon erhebliche Nachteile bewirken.

Das ist allerdings harmlos im Vergleich mit dem, was Menschen in manchen Diktaturen zu befürchten haben. Inzwischen erkennen immer mehr Regierungen, dass Internet-Zensur weniger wirksam ist als Online-Propaganda und das Sammeln von Daten über Regime-Gegner im Social Web. Mit dieser Problematik befasst sich die c’t im aktuellen Heft. Dazu heißt es im Pressetext:

>>Statt das Internet zu zensieren, lassen Geheimdienste einzelner Staaten Regime-Gegner agieren, um sie mit Hilfe sozialer Netzwerke zu manipulieren und zu identifizieren. Aus der demokratiefördernden Technik wird so ein Herrschaftsinstrument autoritärer Regime, schreibt das Computermagazin c’t in der aktuellen Ausgabe 10/11.

Die Bedeutung sozialer Netzwerke für die Umbrüche im Nahen Osten ist unbestritten. Während die vormalige ägyptische Regierung das Netz mit der Folge von enormen wirtschaftlichen Schäden für fünf Tage ganz außer Gefecht setzte, filtern Länder wie China, Burma oder der Iran unliebsame Inhalte aus – mittels Technik, die vorrangig Unternehmen aus westlichen Industriestaaten liefern.

Autoritäre Regime wie etwa Belarus setzen inzwischen zunehmend auf effektivere Methoden als plumpe Zensur. Reporter ohne Grenzen hat dafür den Begriff “Control 2.0″ geprägt. “Früher musste der KGB Leute foltern, wenn er die Informationen haben wollte, die er jetzt durch Facebook und Twitter bekommt”, zitiert das Computermagazin c’t den aus Belarus stammenden Forscher und Blogger Evgeny Morozov. Nach der Niederschlagung der Proteste gegen die Präsidentenwahl in Belarus 2006 verlegten sich die Regime-Gegner auf Flashmobs, die sie über soziale Netzwerke organisierten. Oft tauchte die Polizei noch vor den Flashmobbern auf und nahm nicht nur Demonstranten fest, sondern machte auch Fotos, die mit Porträts aus dem Netz abgeglichen wurden. Ähnlich agierten iranische Behörden während der sogenannten Twitter-Revolution.

“Das Internet ist neutral, es ist nicht politisch”, erläutert c’t-Redakteur Jürgen Kuri. “Soziale Netzwerke und Smartphones sind Demokratiekatalysatoren. Sie können aber auch als Herrschaftsinstrumente eingesetzt werden.”<<

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  1. Welche Social Media Website ist am beliebtesten? | billigberaten.biz - Samstag, 21. Januar 2012

    [...] Begriff Web 2.0 hört man heute nur noch selten, überall ist derzeit von Social Media die Rede. Dabei wird selten etwas anderes [...]

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